Lernprobleme, Schulmüdigkeit & Mobbing

Schulsozialarbeiter der Villa Jühling engagieren sich in der KGS Humboldt

Von Anja Ziegler

Am 6. September beginnt in Sachsen-Anhalt das neue Schuljahr - die Zahl der Schulabbrecher im Land ist nach wie vor sehr hoch. Abhilfe soll das 59  Millionen Euro teure Programm "Schulerfolg sichern". Das Programm, das maßgeblich mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds gespeist wird, war 2008 gestartet worden und endet 2014. Derzeit sind nach Angaben des Kultusministeriums an mehr als 200 Schulen Sozialarbeiter tätig. Sie vermitteln unter anderem zwischen Eltern und Lehrern, erarbeiten Lernkonzepte für die Schüler und begleiten, wenn notwendig, die Kinder vom Wohnort zur Schule.

Jan Uschmann und Antje Reinhard, beide ausgebildete Erziehungswissenschaftler, sind an der Kooperativen Gesamtschule „Wilhelm von Humboldt“ in Halle-Neustadt als Schulsozialarbeiter unterwegs. Beide arbeiten im Auftrag der Villa Jühling und kümmern sich hauptsächlich um Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 9. „Wir haben verschiedene Projekte, welche wir den Kindern anbieten“, sagt Uschmann. So gibt es unter anderem das Projekt „Starter-Kit“, wo die Schülerinnen und Schüler zwei Tage  lang ihr Leben selbst in die Hand nehmen müssen. Sie müssen sich beispielsweise eine Wohnung und einen Job besorgen, ein Konto anlegen und sich bei einer Krankenkasse anmelden. „Das ist zwar alles fiktiv“, meint Uschmann, “ aber sinnvoll. Denn die Mädchen und Jungen lernen dabei, sich selbst zu organisieren und Hürden zu meistern“. Auch das Projekt „Patenschaften“ wird von den Schülerinnen und Schülern gut angenommen. Die Mädchen und Jungen der 9. Klasse übernehmen dabei die Patenschaft für die 5. Klassen. Sie sind Ansprechpartner bei Problemen jeglicher Art, Berater und Freund zugleich. Die Paten werden drei Tage lang in der Villa Jühling geschult und auf ihre Aufgabe vorbereitet.

„Das Projekt „Boxenstopp“ richtet sich an die sogenannten Härtefälle, sagt Schulsozialarbeiterin Antje Reinhard. In diesem Jahr sind an der KGS Humboldt allein 63 Schülerinnen und Schüler versetzungsgefährdet“, so die 25jährige Sozialarbeiterin. Für sie wurde das Boxenstopp-Projekt entwickelt. Die Schülerinnen und Schüler sind dabei fünf Tage in der Villa Jühling und übernehmen praktisch orientierte Aufgaben. So zum Beispiel wird beim Reparieren von Spielzeug ihr handwerkliches Geschick getestet. Oder ihr logisches Denken, wenn sie  ein Tangram-Puzzle herstellen und sich mit Hilfe einer Karte orientieren müssen. Das Ganze wird auf einem Beobachtungsbogen festgehalten, anschließend mit den Schülern ausgewertet und ein individueller Lerntrainingsplan erstellt. „Nach den Trainingstagen in der Villa werden die Mädchen und Jungen von uns weiterhin  betreut und unterstütz, damit sie ihr Ziel erreichen und ihren Abschluss doch noch schaffen“, betont Antje Reinhardt.

Es gibt aber auch Kinder, die völlig unauffällig, schüchtern, sehr ruhig sind und damit leicht hinten runterfallen“, weiß Schulsozialarbeiter Jan Uschmann zu berichten. „Für diese Mädchen und Jungen hat die Villa das Projekt „Starke Sachen machen“ entwickelt, so der 32jährige. Dabei soll das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt werden. „Wir gehen mit den Kindern klettern, bauen eine Seilbrücke oder stellen eine Zeitung her“, sagt Uschmann. Solche Aktionen würden den Mädchen und Jungen nicht nur unheimlich viel Spaß machen, es baue auch ihr Selbstwertgefühl ungemein auf.

 

An der KGS Humboldt lernen mehr als 1 000 Schüler in 43 Klassen. Knapp 100 Lehrer unterrichten dort.

weitere Informationen:  www.villajuehling.de.